Aminosäuren

Es gibt 20 verschiedene Aminosäuren, aus denen sämtliche Proteine im menschlichen Körper gebildet werden. Zwölf davon kann der Körper selbst herstellen. Man nennt sie deshalb nicht-essentielle Aminosäuren. Die restlichen acht Säuren kann der Körper nicht durch eigene Biosynthese ersetzen. Da sie für den menschlichen Organismus essentiell (unentbehrlich) sind, müssen sie mit der Nahrung aufgenommen werden. In Zeiten von hohem Stress oder starken physischen Belastungen kann es passieren, dass der Körper mehr von einer bestimmten Aminosäure braucht, als er selbst synthetisieren kann. Eine Aminosäure, die nur bei erhöhtem Proteinbedarf zugeführt werden muss, nennt man semi-essentiell.


L-Glutamin

Die Aminosäure L-Glutamin ist an einer Reihe wichtiger chemischer Prozesse im Gehirn, dem Verdauungstrakt und der Leber beteiligt. Die größte Konzentration dieser Aminosäure findet man aber in den Muskelzellen, wo sie hauptsächlich hergestellt wird. Ohne L-Glutamin gäbe es kein Muskelwachstum. Es steuert die Wassereinlagerung in den Zellen und sorgt dafür, dass sie bei körperlicher Belastung anschwellen. Diese Zellschwellung hat eine starke, anabole Signalwirkung. Die Proteinsynthese wird gefördert, Muskelaufbau kann stattfinden.


BCAA

BCAA ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung Branched-Chain Amino Acids. Gemeint sind damit die verzweigtkettigen Aminosäuren Valin, Isoleucin und Leucin. Alle drei sind essentielle Säuren und müssen daher über die Nahrung aufgenommen werden. Die BCAAs sind Bestandteile wichtiger Körperproteine. Leucin spielt eine bedeutende Rolle beim Schutz des Muskelgewebes. Es fördert die Proteinsynthese in den Zellen des Muskels und der Leber, unterstützt Heilungsprozesse und wirkt dem Abbau von Muskeleiweiß entgegen. Wenn dem Körper ausreichend Proteine zur Verfügung stehen, können die BCAAs auch zur Energiegewinnung und Ernährung der Muskulatur dienen. Das ist wichtig, wenn der Körper in Hungerphasen oder bei längerer Belastung seine Reserven angreifen muss. Kraft- und Ausdauersportler wollen durch die Einnahme der BCAAs bewirken, dass eventuelle Ermüdungserscheinungen später auftreten. Außerdem soll damit der Muskelaufbau gefördert werden, während der Muskelabbau verringert wird.


Arginin

Die Aminosäure L-Arginin ist semi-essentiell. In der Wachstumsphase, im Alter, bei Stress, Krankheiten und starken körperlichen Belastungen muss es zusätzlich mit der Nahrung aufgenommen werden. L-Arginin hat zahlreiche positive Wirkungen auf den Organismus, die sehr gut erforscht sind. 1991 entdeckten Wissenschaftler, dass Arginin die Bildung von natürlichen Killerzellen anregt und damit das Immunsystem stärkt. L-Arginin ist eine wichtige Stickstoffquelle für den Menschen. Ohne Arginin kann im Organismus kein Stickstoffmonoxid gebildet werden. Stickstoffmonoxid ist ein wichtiger Botenstoff, der vor allem in den Blutgefäßen und im Gehirn gebraucht wird. Es bewirkt in der Muskelschicht der Blutgefäße eine Reihe chemischer Reaktionen, die zur Erweiterung der Adern führen. Diese Gefäßerweiterung ermöglicht eine bessere Blutzirkulation und senkt den Blutdruck. Die ausreichende Zufuhr von L-Arginin ist deshalb sehr wichtig, um Herz und Blutgefäßsystem vor Schaden zu bewahren. Auch bei Potenzstörungen kann die Einnahme von L-Arginin langfristig zu Verbesserungen führen, denn diese werden meistens von Durchblutungsstörungen verursacht. Die Einnahme von L-Arginin verbessert auch die Menge und Beweglichkeit von Spermien, weshalb es bei männlicher Unfruchtbarkeit helfen kann. Sportler berichten von einem besseren Trainingsgefühl nach der Einnahme von L-Arginin. Aufgrund der besseren Durchblutung wird der Muskel optimal mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt und "pumpt" dadurch besser. Forscher der Texas A&M University stellten in einem Laborversuch mit Ratten fest, dass L-Arginin die Proteinsynthese im Muskel anregt und muskelaufbauend wirkt.


Beta-Alanin

Beta-Alanin ist eine Aminosäure, die nicht als Eiweißbaustein dient. Trotzdem ist sie für den menschlichen Stoffwechsel unentbehrlich. Aus Beta-Alanin und Histidin produziert der Körper Carnosin. Carnosin ist vor allem in den schnellen Muskelfasern zu finden. Bei anaerob trainierten Sportlern, wie z. B. Sprintern, findet man höhere Konzentrationen von Carnosin in den Muskeln als bei Ausdauersportlern. Carnosin bewirkt die Abpufferung von Säuren. Studien an Kraft- und Ausdauersportlern geben Hoffnung, dass eine Supplementierung zu Leistungsverbesserungen bei wiederholten hochintensiven Belastungen (Intervalltraining, Kraftsport) führen kann.